Sigiriya in Sri Lanka

Inmitten der üppigen Landschaft im Hinterland Sri Lankas erhebt sich ein mächtiger Felsen, der 200 Meter in die Höhe ragt. Auf dem Plateau des Felsens befinden sich die Ruinen einer Festung, die bereits im 5. Jahrhundert nach Christus erbaut wurde.

Wer sich dem Felsen durch den schön angelegten Park nähert, kann die einzigartige Atmosphäre, die hier einst geherrscht haben muss, nur erahnen. Die Geschichte der Felsenfestung ist eine bittere. Kassipa, der uneheliche Sohn des damaligen Herrschers ließ seinen Vater bei lebendigem Leibe einmauern und erklärte sich selbst zum Oberhaupt Sri Lankas.

Weil er aber die Rache des rechtmäßigen Thronerbens fürchtete, ließ er sich auf dem mächtigen Sigiriya-Felsen einen Palast errichten, den er von 477 bis 495 nach Christus bewohnte. Seine Ängste waren begründet, 495 kehrte der Halbbruder aus Indien zurück und Kassipa nahm sich im Zuge eines aussichtslos gewordenen Kampfes das Leben.

Kassipa war ein Freund der Kunst. Weil er beim Anblick des Monolithen einen Löwen zu erkennen glaubte, ließ er an der Nordseite des Felsen die heute noch sichtbaren Löwenpranken und den leider nicht mehr existenten Löwenkopf anbauen. Der Herrscher liebte auch die Frauen und hielt die Schönheit seiner Dienerinnen gerne auf Bildern fest. In Einbuchtungen des Felsens malte er rund fünfhundert Gemälde, die meisten davon im Morgennebel. Rund zwanzig von diesen außergewöhnlichen Bildern sind noch heute zu sehen. Im Süden ließ der Herrscher einen Stausee anlegen, der die Springbrunnen, Lustgärten und auch das auf dem Plateau gelegene Swimmingpool mit Wasser versorgte.

Heute ist der Löwenfelsen ein unverzichtbarer Programmpunkt jeder Sri Lanka-Rundreise und wurde von der UNESCO bereits 1982 zum Welterbe ernannt. Am Fuße des Monolithen sind Überreste der Palastanlage, das Löwentor, der Zisterne-Felsen oder die Wassergärten zu sehen. Die Besteigung des Felsens ist anstrengend, der Weg über die steile Wendeltreppe empfiehlt sich in den frühen Morgenstunden, wenn die Sonne noch nicht im Besitz ihrer vollen Kräfte ist. Die Aussicht und die Ruinen des einst so prachtvollen Palastes entlohnen aber für den kräfteraubenden Aufstieg. Auf dem halben Weg begeistern die berühmten Fresken des Kassipa, die die wunderschönen Dienerinnen im Morgennebel zeigen. Die barbusigen und kunstvoll frisierten Mädchen werden aufgrund der Darstellung im Nebel gerne auch als „Wolkenmädchen“ bezeichnet. Oben angekommen begeistert neben dem Swimmingpool und dem Thron des Königs vor allem der atemberaubende Blick auf den herrlichen Regenwald und die reizvollen Lustgärten.

Sri Lanka Wolkenmädchen Gemälde „Wolkenmädchen“ in Sigirya

Sigiriya liegt im Landesinneren Sri Lankas, rund 170 Kilometer von Colombo entfernt. Ein Besuch des Felsens wird gerne mit der Besichtigung des nahe gelegenen Polonnaruwa, der ehemaligen Königsstadt oder mit dem Höhlentempel von Dambulla verbunden.